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Theater Ulüm begeistert fast 300 Zuschauer mit dem Stück Hochdeutsch-Türkisch

Kommunales Integrationszentrum des Kreises Warendorf lädt Ehrenamtliche ein

Das Theaterensemble um Atilla Cansever brillierte mit einem Stück aus der Feder von Aydin Engin voller (Wort-)Witz, hob an den richtigen Stellen mahnend den Zeigefinger und nahm gekonnt so manche als Typisch deutsch oder Typisch türkisch bezeichnete Eigenschaft aufs Korn. Dreh- und Angelpunkt des Stückes sind die Erlebnisse der Familie Daş. Sie erleben unabhängig voneinander offen rassistische bis versteckt fremdenfeindliche Situationen und stellen in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz ihre Sicht auf die deutsch-türkische (Einwanderungs-) Geschichte dar. Wenn nur die von Sarrazin gewünschten „qualifizierten“ Kräfte nach Deutschland gekommen wären, wer hätte dann unter Tage geschuftet, die Straßen gebaut und anschließend auch gekehrt? Mehmet Daş ist empört! Und was soll bitte schlimm daran sein, wenn seine Frau schneller Schwäbisch spricht, als ihr Vorgesetzter ein Wort verstehen kann? Er versteht sie zugegebener Maßen auch nicht, aber er spricht ja auch nicht schwäbisch, sondern deutsch – hochdeutsch-türkisch besser gesagt!

Auch geht es im Stück darum, dass sich die Zeiten geändert haben. Nicht nur, dass beide Kinder der Familie studieren, nein, sie, die dritte Generation, möchten auch nicht mehr mit den Eltern in das Heimatdorf der Familie in den Urlaub fahren. Aber auch die Einstellung der ersten und zweiten Einwanderergeneration hat sich geändert. Deutschland wird als Heimat wahrgenommen und der Besuch im Dorf muss nicht sein, wenn nebenan das fünf-Sterne Feriendorf reizt. Und so heißt es: „Bist du Türkisch sprechender Deutscher oder Deutsch sprechender Türke?“ – ein Satz, der mit „Beides!“ beantwortet wird und auch im Publikum viel anklang fand.

Atilla Cansever, Hatice Onar, Rüya Kahraman und Murat Karlibel halten, rasant und mit sichtlicher Freude gespielt, dem Publikum einen Spiegel vor. Veränderte Lebensgewohnheiten, Vorurteile auf sowohl türkischer, wie auch deutscher Seite, Geschlechterrollen und nicht zuletzt die Angewohnheit beider Gruppen, lieber am Mittelmeer, statt an der Nordsee Urlaub zu machen, werden mit Humor serviert. Denn Humor, so Kompaniechef Cansever, ist das, was alle zusammenführt.

Eingeladen in den großen Saal des Theaters Beckum hat das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Warendorf. Die Veranstaltung bot den ehrenamtlich Aktiven eine Plattform zum Austausch. KOMM.AN ist ein Ladesprogramm zur Förderung der Integration von Flüchtlingen Neuzugewanderter und ihrer Begleiter_innen in den Kommunen.

Atilla Cansever als Vater Daş
Atilla Cansever als Vater Daş
Leiterin des KI, Diler Şenol-Kocaman (li.), bedankt sich bei dem Ensemble

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